Als der Versailler Vertrag 1919 deutschen Firmen die Herstellung von jeglichem Fluggerät, also auch Motoren, untersagte, mußte der Maybach-Motorenbau das Produktionsprogramm gleichsam über Nacht umstellen: Man begann mit der Entwicklung eines schnellaufenden Dieselmotors mit 150 PS Leistung sowie einem entsprechenden Getriebe für einen Triebwagen. Auf der Eisenbahnausstellung 1924 in Seddin bei Berlin konnte der Maybach-Motorenbau zusammen mit der Eisenbahn-Verkehrsmittel-Aktiengesellschaft (E.V.A.), Wismar, einen Dieseltriebwagen vorstellen, den die Deutsche Reichsbahn erwarb. In der Folge wurden weitere 15 Fahrzeuge bestellt.
Maybach entwickelte die Dieselmotoren weiter und schuf so die Voraussetzungen dafür, daß die Deutsche Reichsbahn in den dreißiger Jahren ein Zugnetz einrichten konnte, das Berlin mit den Metropolen des Deutschen Reiches verband und in der ganzen Welt als vorbildlich galt. 1933 sorgte der "Fliegende Hamburger" mit einer Geschwindigkeit von 160 km/h auf der Strecke Berlin - Hamburg für Aufsehen. 1934 stellte Maybach den ersten turboaufgeladenen Hochleistungsdieselmotor der Welt vor, den GO-6-Motor mit 650 PS.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Maybach die Dieselmotoren-Baureihe MD, die unter der Bezeichnung Baureihe 538 (d.h. 5,38 Liter Hubvolumen pro Zylinder) von der MTU Friedrichshafen bis heute gebaut wird.
Konstruktive Merkmale wie sechs Ventile pro Zylinder, obenliegende Nockenwellen, rollengelagerte Scheibenkurbelwelle, gebaute, druckölgekühlte Kolben sowie ein geschweißtes Stahlkurbelgehäuse in Modulbauweise verhalfen dem ursprünglich für die Bahn konstruierten Motor zu einer Leistungsdichte, die ihn im Laufe der Jahre zum konkurrenzlosen Antrieb schneller Marine- und Behördenboote werden ließ.
Im Jahre 1960 erwarb Daimler-Benz die Mehrheit am Friedrichshafener Motorenbau. Sechs Jahre später wurde der Maybach-Motorenbau mit dem Großmotorenbau von Daimler-Benz vereinigt; der Name der neuen Firma: Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH. 1969 stand schließlich ein ganz neuer Name über dem Werk in Friedrichshafen: Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH, kurz MTU. Sie war das Ergebnis eines Vertrages zwischen Daimler-Benz und MAN, die ihre Triebwerksaktivitäten in der MTU München, und ihre Aktivitäten bei schnellaufenden Dieselmotoren in Friedrichshafen vereinigten. Seither entwickelte sich die MTU Friedrichshafen zu einem weltweit führenden Anbieter von hochwertigen Antriebssystemen für Land-, Wasser- und Schienenfahrzeuge sowie für Anlagen zur Energieerzeugung mit den Komponenten Dieselmotor, Gasmotor, Gasturbine und den neuen Technologien Brennstoffzelle und Elektrolyse. Rund drei Viertel der Produkte gehen heute in den Export.